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 Die Ebersteiner
Dscf0006

Grabdenkmal der Anna Alexandria in der´
Gernsbacher Liebfrauenkirche

Leichenpredigt.anna

Titelblatt der 1610 in Straßburg gedruckten Leichenpredigten für Anna Alexandria von Fleckenstein.

Ahnentafel mit vielen Rätseln
Das Grabdenkmal der Anna Alexandria in der Gernsbacher Liebfrauenkirche

Die Liebfrauenkirche in Gernsbach diente im 16. Jahrhundert als Grablege für den katholischen Zweig der Grafen von Eberstein. Rechts und links des Chores sind an der Wand noch zwei Grabdenkmäler mit figürlichen Darstellungen der Verstorbenen zu sehen. Das eine zeigt Graf Hans-Bernhard von Eberstein (gestorben 1574), das andere Anna Alexandria von Fleckenstein, geborene von Rappoltstein, Hohenack und Geroldseck am Wasichin (1565 bis 1610). Ihre im Relief hervortretende Gestalt ist oben und seitlich umrahmt von den Namen und Wappen von 16 Vorfahren, wobei es sich um acht Ehepaare handelt.

Anna Alexandria war die Schwiegermutter von Graf Philipp III. von Eberstein, der um 1605 das Torhaus von Schloss Eberstein mit dem prächtigen Doppelwappen Eberstein-Fleckenstein erbauen ließ. Verheiratet war er mit Anna Alexandrias Tochter Barbara Philippa von Fleckenstein. Anna Alexandria ist laut Inschrift auf ihrem Grabdenkmal „zu Baden in Christo selig entschlafen anno 1610“. Gut möglich, dass sie in der Residenz der Markgrafschaft Baden, dem heutigen Baden-Baden, eine Krankheit auskurieren wollte. Anna Alexandria entstammte der elsässischen Familie der Herren von Rappoltstein (heute Ribeauvillé bei Sélestat). Das verraten die Inschrift auf ihrem Grabdenkmal sowie Name und Wappen Ihres 1507 verstorbenen Ururgroßvaters Wilhelms I. von Rappoltstein (auf dem Foto oben links). Er war verheiratet mit Johanna von Neuenburg (Neuchâtel in der heutigen Schweiz), deren Wappenschild neben ihrem Gatten angebracht ist, darüber ihr Ruf- oder Kosename „Janita geborene von Neienburg“.
 

Anna Alexandria war aber nicht nur die Schwiegermutter eines Grafen von Eberstein, sie war auch blutsverwandt mit ihm. Unter den 16 Ahnen erscheint links unten auch eine „Grefin zu Eberstein“, deren Taufnamen offensichtlich bei der Schaffung des Grabdenkmals schon nicht mehr bekannt war. Nach der Anordnung der Wappen muss sie aber die Ehefrau des rechts unten verzeichneten „Michel Graf zu Werdheim“ (Wertheim am Main) sein. Bei ihm handelt es sich um Michael II. von Wertheim (gestorben 1531). Er war mit Barbara von Eberstein verheiratet, einer Tochter des Grafen Hans von Eberstein (gestorben 1479), von dem Philipp III. abstammt. Philipp, seine Schwiegermutter und damit auch seine Ehefrau waren also direkte Nachfahren des Hans von Eberstein. Ein typisches Beispiel dafür, dass die adligen Geschlechter damals durch Heiraten untereinander alle mehr oder weniger weitläufig miteinander verwandt waren. Ein weiteres Beispiel für die Verzahnungen der Familien ist der 1484 verstorbene Konrad von Fürstenberg. Er und seine Frau Kunigunde von Matsch (Adelsgeschlecht in Graubünden) sind ebenfalls auf dem Grabmonument als Ahnen der Anna Alexandria verzeichnet (oben rechts). Gleichzeitig sind sie aber – wie eine Recherche im Internet ergibt – auch Vorfahren der Ebersteiner: Ein Urenkel Konrads war Wilhelm IV von Eberstein, der in seiner Grafschaft 1556 die Reformation einführte. Doch nicht nur das: Besagter Konrad von Fürstenberg wird auf der einschlägigen Ahnenforschungsseite auch als 15-facher Urgroßvater von Prinz William von England geführt! Danach wären die Ebersteiner sogar mit dem englischen Königshaus verwandt!

Anna Alexandria war höchstwahrscheinlich gar nicht katholisch. Ihr Ehemann Philipp Wolfgang von Fleckenstein stammte aus einem protestantischen Haus. Ihr Schwiegersohn Philipp III. (gestorben 1609) war Calvinist. Ihre eigene Familie, die Rappoltsteiner, neigte dem von Zwingli geprägten Protestantismus zu. Die gleichnamige Großmutter der Anna Alexandria, eine geborene Fürstenberg, führte sogar einen Briefwechsel mit dem Schweizer Reformator Heinrich Bullinger über theologische Themen. Die ins Murgtal verheiratete Enkelin wurde möglicherweise in der Liebfrauenkirche bestattet, weil die Kirche auf Veranlassung ihres Schwiegersohnes 1598 evangelisch geworden war und es bis 1624 auch blieb. Aber das ist eine Vermutung. Das Grabdenkmal der Anna Alexandria in der Gernsbacher Liebfrauenkirche gibt immer noch Rätsel auf.
[Cornelia Zorn]
 

„Vor großen Schmerzen nit gewusst, wo sie sich hinwenden solle“
Leichenpredigten werfen neues Licht auf ein Grabdenkmal in der Liebfrauenkirche.

In der Gernsbacher Liebfrauenkirche findet sich das Grabdenkmal der Anna Alexandria von Fleckenstein, der Schwiegermutter Philipps III. von Eberstein (Erbauer des Torhauses von Schloss Eberstein). Das steinerne, von 16 Ahnenwappen umrahmte Abbild gibt nur Auskunft über den Adelsrang der Verstorbenen (siehe unser Bericht vom 16.04.2005). Ihr persönliches Schicksal bliebe unbekannt, hätten sich nicht die beiden 1610 in Straßburg gedruckten Leichenpredigten für sie erhalten.

Anna Alexandria starb am 9. April 1610 in Baden (heute Baden-Baden). Die erste der beiden Leichenpredigten wurde in der dortigen Spitalkirche gehalten, die zu diesem Zeitpunkt rein evangelisch war, während die Stiftskirche auch noch von den Katholiken mitbenutzt werden durfte. Wie aus dem Deckblatt der gedruckten Predigten ersichtlich ist, war der Ehemann Anna Alexandrias, Philipp Wolf von Fleckenstein, „Obervogt zu Baden/Bühel und Steinbach“, also ein Beamter des badischen Markgrafen. Verfasser der Predigten war Johann Jakob Dalerus, „Hofprediger zu Baden“. Schon aus seiner ersten Predigt für Anna Alexandria ist das protestantische Gedankengut deutlich zu erkennen, besonders wenn er die Gläubigen ermahnt, ihr kurzes Leben rechtzeitig zur Buße zu nutzen, da „den Toden und Verstorbenen durch die Fürbitte und andere Werck der Lebendigen nicht geholfen werden“ könne, auch nicht durch „Seelenmessen und dergleichen“. Die in der Predigt mehrfach vorkommende Anrede „E. L.“ (abgekürzt für „Euer Liebden“) legt die Anwesenheit des evangelischen Markgrafen Georg Friedrich von Baden-Durlach nahe, der damals die Markgrafschaft Baden-Baden besetzt hatte.

 

Am 30. April hielt Dalerus anlässlich der tatsächlichen Beisetzung die zweite Predigt in der „Obern Kirchen zu Gerspach, dahin der Gräffliche Leichnam begraben worden“. Seit der Reformation war eigentlich die St. Jakobskirche die Grablege der evangelischen Angehörigen des Hauses Eberstein. Anna Alexandria stammte allerdings aus der Familie der Rappoltsteiner (Ribeauvillé im Elsaß), die von den Reformatoren Huldrych Zwingli und Jean Calvin geprägt war. Diese reformierte Richtung unterschied sich vom Luthertum hauptsächlich durch die Auffassung des Abendmahls als reiner Gedächtnisfeier ohne Wandlung von Brot und Wein in Fleisch und Blut Christi. Überzeugte Anhänger der reformierten Glaubensrichtung waren Anna Alexandrias gleichnamige Großmutter, ihre Eltern und ihr Schwiegersohn Philipp III., 1593 bis 1609 regierender Graf von Eberstein. Er verwandelte die vormals katholische Liebfrauenkirche sogar in eine reformierte Kirche, während die St. Jakobskirche im Besitz der Lutheraner blieb, die den religiösen Bestrebungen Philipps ablehnend gegenüber standen.

Die Predigten geben keinen Hinweis darauf, ob die Verstorbene tatsächlich calvinistisch war, berichten aber, dass die lutherische Bevölkerung sie in großer Zahl zu ihrem „Ruhbettlin und Schlaffkämmerlein“ begleitet hat. Das Schlusskapitel „Lob und Zeugnuß der verstorbenen Gräfflichen Person“ enthält bewegende persönliche Einzelheiten. Die 1565 geborene Anna Alexandria wurde mit 19 Jahren mit Philipp Wolf von Fleckenstein, dem „jetztmalen hochbetrübten Wittwer“ verheiratet, das Paar bekam in 26 Ehejahren 11 Kinder. „Von erzielten Kindern aber seind noch übrig zwey Herrn und drey Fräulin“. Dalerus hebt die „zierliche Gestalt“ der Gräfin hervor, aber noch wichtiger ist ihm „mit was innerlicher schöner gestalt ihres Gemühts, nämlich mit rechtem waren eyffer zu dem Wort Gottes, mit tieffem scharpffsinnigem Verstand, warer Demut, Lust und liebe zur gerechtigkeit, ... und sonderlich mit der hochrühmlichen Tugend der Barmherzigkeit und mitleidens gegen den armen, dürfftigen, krancken und schadhafften Personen sie also seie geschmückt und geziert gewesen“. Aufgrund einer „langwierigen Kranckheit“ und „schweren Leibsschwachheit“ wurde sie nur 45 Jahre alt. Dalerus berichtet, dass sie oft um ein Ende gefleht habe, dass „sie es künde ertragen“. Am Tag ihres Todes, so Dalerus, „hatt sie uns miteinander vermahnt, das wir auff unsere Knie niederfallen und den lieben Gott von herzen anrufen, nicht das er die Schmerzen gar hinweg nemme, sonder nur ein wenig nach seiner großen Barmherzigkeit lindere“. Danach habe die Sterbende „für großen Schmerzen nit gewisst, wo sie sich hinwenden solle“. Dalerus versucht, sie mit dem Text eines Kirchenliedes zu trösten. Als er den Anfang  „Wo sollen wir fliehen hin“ zitiert, fällt ihm Anna Alexandria  ins Wort „Zu dir Herr Jesu Christ allein“. Die nächsten eineinhalb Stunden bleibt sie still, dann spricht sie „mit heller Stimme“ ihre letzten Worte: „Herr in dein Händ befiehl ich meinen Geist“ und gleich darauf „“Ach lasst uns betten, lasst uns betten“.

Hans-Bernhard

Grabdenkmal des Hans Bernhard von Eberstein in der Gernsbacher Liebfrauenkirche

. Ein vergessener Ebersteiner
Das Grabdenkmal des Hans Bernhard von Eberstein in der Gernsbacher Liebfrauenkirche

Das für Hans Bernhard von Eberstein (1545 bis 1574) im Stil der späten Renaissance geschaffene Denkmal hat ein hohes künstlerisches Niveau und ist sehr sorgfältig gearbeitet. Der Verstorbene ist frontal, mit über dem Brustharnisch verschränkten Händen dargestellt. Helm, Eisenhandschuhe und Schild sind neben seinen Füßen abgelegt. Die Platte, auf der er steht, wird von kleinen Putten gehalten. Rechts und links erscheinen sein eigenes Wappen (Ebersteiner Rose) und das seiner Frau Margarethe von Diez.  *  Das obere Viertel des Denkmals nimmt eine Inschriftentafel ein, in welche die Skulptur des Verstorbenen ein Stück weit hineinragt. Rechts und links des Hauptes sind die lateinischen Worte „alterius vitae spes“ (Hoffnung auf ein anderes Leben) eingemeißelt. Noch weiter oben ist auf Deutsch zu lesen, dass „der wolgeboren Herr Hans Bernhart“ am 11. April 1574 starb und dass er nicht nur „Graff zu Eberstein“, sondern auch „Herr zu Rixingen und Frauenburg“ (bei Idar-Oberstein) war. In den Besitz dieser zwischen Nahe und Eifel gelegenen Gebiete kam er durch seine Mutter. Sie starb bereits 1546 und wurde ebenfalls in der Liebfrauenkirche beigesetzt. Ihre Grabstätte ist nicht mehr erhalten. Hans Bernhards Vater Hans Jakob war ein Bruder Graf Wilhelms IV., der 1556 in der Grafschaft Eberstein die Reformation einführte. Im Gegensatz zu ihm blieben Hans Jakob und sein Sohn aber katholisch. Sie starben im selben Jahr 1574 und wurden im Boden der Liebfrauenkirche unter einer gemeinsamen, heute verschollenen Grabplatte beigesetzt. Daneben wurden noch zusätzliche Grabdenkmäler aufgestellt, von denen nur das für den Sohn erhalten ist.
 

* Herzlichen Dank an Dr. Bernhard Peter für den wertvollen Hinweis!
Quelle:
http://www.dr-bernhard-peter.de/Heraldik/Galerien/galerie685.htm

Verheiratet war Hans Bernhard seit 1567 mit Margarethe von Dietz, einer Tochter Landgraf Philipps des Großmütigen von Hessen. Landgraf Philipp war evangelisch und hatte in seinem Land schon 1527 die Reformation eingeführt. Er gehörte zum Stand der Reichsfürsten, das heißt zur adligen und politischen Elite der damaligen Zeit. Seine Tochter Margarethe war allerdings nicht ganz standesgemäß, da sie aus einer zweiten Ehe des Landgrafen mit einer Frau stammte, die in damaligen Fürstenkreisen als Mesalliance galt. Bei der herausragenden Stellung ihres Vaters ist es aber trotzdem unwahrscheinlich, dass Margarethe vor der Ehe mit dem katholischen Hans Bernhard konvertieren musste. Allerdings wurde Hans Bernhard auch nicht evangelisch, was sein Grabmal in der zu dieser Zeit katholischen Liebfrauenkirche beweist. Wie die beiden ihr Problem gelöst haben, bleibt wohl für immer ein Geheimnis. Lange Zeit hatten sie nicht miteinander. Hans Bernhard starb mit 29 Jahren. Vier Jahre später heiratete Margarethe einen Protestanten: Stephan Heinrich von Eberstein-Naugard. Er entstammte einem Grafengeschlecht mit Besitzungen in Sachsen, Thüringen und Pommern (Naugard östlich von Stettin, heute Polen), das sich ebenfalls von Eberstein nannte.

Auch Hans Bernhards Kinder wandten sich dem evangelischen Glauben zu. Allerdings blieb sein Bruder Hauprecht beim alten Bekenntnis. Und auch der badische Markgraf, der in der Grafschaft Eberstein mitregierte, war zu dieser Zeit streng katholisch. Scharfe Gegensätze waren die Folge. 1585 ließ der badische Markgraf gegen den Willen der Gernsbacher die evangelische St. Jakobskirche schließen. Gegen die katholische Übermacht besetzte Margarethes zweiter Mann Stephan Heinrich von Eberstein-Naugard 1587 bei Nacht und Nebel Schloss Eberstein. Die Religionsstreitigkeiten eskalierten. Die Bevölkerung wurde nach den religiösen Ansichten der jeweils Herrschenden mehrfach „umgekrempelt“.

Hans Bernhard konnte in seinem kurzen Leben zur Geschichte seiner Zeit nicht viel beigetragen. Nur in genealogischer Hinsicht war er unverzichtbar: Er zeugte zwei Söhne und sorgte so für den Fortbestand des Hauses, während die Linie seines Onkels Wilhelms IV. im Mannesstamm schon 1589 ausstarb. Sein Grabdenkmal in der Liebfrauenkirche ist eines der schönsten unter den wenigen, die uns die Ebersteiner hinterlassen haben.
                                                                                                                                              [Cornelia Zorn]
 

Familientragödie und europäische Politik.
Leichenpredigt enthüllt neue Aspekte über Philipp III. von Eberstein

Von Philipp III. (geboren 1570), 1593 bis 1609 regierender Graf von Eberstein, ist kein Grabdenkmal erhalten. Einzig das Torhaus von Schloss Eberstein mit dem prächtigen Gusserker im Renaissance-Stil erinnert an ihn und seine Frau Barbara Philippa von Fleckenstein. Einige neue Details über sein Leben finden sich in der noch erhaltenen, in Straßburg 1610 gedruckten Leichenpredigt.
 

Wie aus dem Titelblatt ersichtlich, starb Philipp am 25. September 1609 und wurde am 19. Oktober „christlich zur Erden bestattet“. Die Predigt, „gehalten zu Gernspach“, verrät allerdings nicht, in welcher Kirche. Dass Philipp in der evangelischen St. Jakobskirche bestattet wurde, ist wenig wahrscheinlich, da die Gernsbacher der von ihm vertretenen calvinistischen Glaubensrichtung ablehnend gegenüber standen und darin von dem seit 1604 regierenden Mitherrn der Grafschaft Eberstein, dem streng lutherisch gesinnten Markgrafen Georg Friedrich von Baden-Durlach nachdrücklich unterstützt wurden.

Daher ist eher anzunehmen, dass Philipp in der Gernsbacher Liebfrauenkirche beerdigt wurde, in der bereits sein Großvater Hans Jakob I. und sein Vater Hans Bernhard (beide 1574 gestorben) bestattet worden waren und die seit etwa 1603 dem reformierten Gottesdienst vorbehalten war. Als Geistlicher fungierte Petrus Christianus, den Philipp als Hofprediger auf Schloss Eberstein berufen hatte und der auch die Leichenpredigt hielt. Eine Notiz von 1597 in einem Buch aus dem Bestand der Universitätsbibliothek Basel lässt vermuten, dass Christianus aus Mühlhausen kam, in Basel Theologie studiert hatte und des Lateinischen und Griechischen mächtig war.

In der Leichenpredigt führt der Hofprediger viele gute Eigenschaften des Verstorbenen auf, um – ein typisch calvinistisches Merkmal – zu beweisen, dass Philipp ganz sicher zum Kreis der von Gott zum ewigen Leben Vorherbestimmten gehörte. Philipp sei mit Gottes Gnadengaben so reichlich gesegnet und Gott habe „Ihr Gnaden ein so Christliches Ende verliehen, dass niemand anderst sagen kann, dass derselben Seele schon seliglich lebe“. Um diesen Gedankengang zu untermauern, gibt Christianus eine kurze Übersicht über das Leben des Verstorbenen. Als Jugendlicher sei Philipp „zur Forcht Gottes angehalten und in guten Sprachen und Künsten underricht“ worden. Außerdem sei er nicht nur „mit Gesundheit und Ansehenlicher statur des Leibs, sonder auch mit tieffem scharffsinnigem Verstand herrlich begaabet“. Diese Eigenschaften, so der Text weiter, hätten ihn in den Dienst von Kurfürsten und Fürsten geführt, die ihn „wol hetten sehen und leiden mögen“. Als herausragendes Beispiel nennt die Predigt den Dienst als Obervogt bei Herzog Friedrich I. von Württemberg, der den Ebersteiner als Diplomaten „in einer ansehenlichen Legation an königliche Maiestat in Engelland“ geschickt habe. Tatsächlich reiste Philipp um 1604 an den Hof Jakobs I. nach London – damals noch ein großes Wagnis. Der Besuch stand in Zusammenhang mit der Verleihung des vornehmen Hosenbandordens 1603 an den Württemberger, der versuchte, zur Abwehr des erstarkenden Katholizismus eine Allianz protestantischer Mächte zusammenzuschmieden. Für einen Moment stand der Ebersteiner im Zentrum europäischer Politik.

Wappen1

Wappen Philipps III. (Eber und Rose) und der Barbara Philippa von Fleckenstein am Gusserker

Torhaus2

Einziges von Philipp III. von Eberstein überliefertes Bauwerk: Torhaus von Schloss Eberstein mit den Wappen Philipps und seiner Frau Barbara Philippa von Fleckenstein.

Neben der Gerechtigkeit lobt die Predigt auch die Mäßigkeit des Verstorbenen: „Der trunckheit haben sich Ihr Gnaden mit allem fleiß enthalten“, und zwar so sehr, dass er „auch ungern mit Trunckenen Leuthen zu handeln gehabt“ – in der damaligen Zeit sicher nicht selbstverständlich! Einen sehr privaten Zug verrät der Hinweis, der Graf habe „alle Morgen den schönen tröstlichen Psalmen der an der zahl der 116. ist mit sonderem lust gesungen“. Hervorgehoben wird auch die Haltung des Grafen angesichts der Tragödie des Jahres 1607, als „Gott innerhalb sechs und dreissig Wochen drei Gräveliche Kinder, ein Herrlein und zwey Fräulein in Himmel hat aufgenommen“. Da sei Graf Philipp „mit Zorn übereilet worden“, so heißt es, doch habe er sich kurz darauf wieder gefangen und alles in Demut hingenommen. Kurz vor seinem Tod habe er noch „allerhand Anordnung gethan“ nicht nur für Gemahlin, Kinder und Diener, sondern auch für die „Frucht, welche die Gräveliche traurige Wittib noch under dem Herzen trägt“. Gestorben sei der Graf, so liest man, an einem „hitzigen Fieber“, das bereits etliche andere dahingerafft habe. Der Prediger bittet Gott, die Heimsuchung mit „ungesunder Luft“ zu beenden. Wahrscheinlich handelte es sich um eine der damals häufigen Epidemien. Nur zwei Jahre später wütete die Pest in Gernsbach.

Agnes von Vinstingen, eine Gernsbacher Mäzenin

Das spätgotische Sakramentshäuschen in der Gernsbacher St. Jakobskirche ist ein kleines Juwel spätgotischer Bildhauerkunst. Es stammt aus dem Umkreis des Nikolaus Gerhaert von Leyden, der als der bedeutendste europäische Bildhauer des ausgehenden Mittelalters gilt. Gestiftet hat es eine Ebersteinerin.

1463 bis 1467 hielt sich Nikolaus Gerhaert von Leyden in Straßburg auf. 1467 schuf er für den Stadtfriedhof in Baden-Baden das monumentale Kruzifix, das sich heute in der dortigen Stiftskirche befindet. Im selben Jahr wurde in Gernsbach mit dem Neubau der St. Jakobskirche begonnen. Das Sakramentshaus im Chor schuf offensichtlich ein Steinmetz oder Bildhauer, der sich an der Kunst des Nikolaus Gerhaert orientiert oder sogar unter ihm gearbeitet hat. Diese Vermutung legt die hervorragende Qualität der Plastik nahe. Die Stifterin offenbart sich in der Wappenreihe unter dem Gehäuse für die Hostie. Der Schild mit der Ebersteiner Rose fällt sofort ins Auge. Gleich daneben findet sich der Schild mit dem waagerechten Balken der Herren von Vinstingen (heute Fénétrange in Lothringen). Die beiden Wappen stehen für Bernhard I. von Eberstein (1382 bis 1440) und Agnes von Vinstingen. Die auf jeder Seite folgenden weiteren drei Wappen sind die Schilde von Müttern, Großmüttern und Urgroßmüttern der Ehepartner. Bernhards Mutter beispielsweise war Margarethe Schenkin von Erbach im Odenwald (Wappen mit den drei Sternen). Da Bernhard beim Neubau der Kirche schon tot war, muss seine Witwe Agnes als Stifterin aufgetreten sein. Sie stammte aus einem im Elsaß, Moselraum und in der Eifel reich begüterten Geschlecht. Der erste Sohn, den sie zur Welt brachte, erhielt den Namen Johann, der in ihrer Familie sehr häufig war. Erst der zweitgeborene Sohn hieß nach seinem Vater Bernhard. Diese Namengebung deutet auf den hohen Adelsrang der Agnes hin. Ihre Mutter entstammte der Familie der Grafen von Lichtenberg (Wappen mit dem steigenden Löwen). Die gleichnamige Stammburg nicht weit von Bouxwiller ist selbst als Ruine noch eine der eindrucksvollsten und größten Burganlagen im Elsaß. Die Anbringung der Ahnenwappen gleich unter dem Allerheiligsten zeugt vom Stolz und adligen Selbstverständnis der damaligen Zeit.

Tabernakel

Spätgotisches Sakramentshäuschen im Chor der Gernsbacher St.-Jakobskirche, Schaft mit Wappen und Engeln.

Die Lichtenbergs und Vinstingens hatten enge Beziehungen zur damaligen Straßburger Kunstszene. Im Trierer Dom- und Diözesanmuseum befindet sich die 1462 entstandene Grabplastik des Jakob von Sierck (an der Obermosel), der zwischen 1439 und 1456 Kur-Erzbischof von Trier und mit Agnes von Vinstingen verschwägert war. Sein Grabdenkmal ist das erste signierte und datierte Werk des Nikolaus Gerhaert von Leyden. Die Qualität des Bildhauers wird sich in den hochadligen Familienkreisen rasch herumgesprochen haben. Auch das Kloster Herrenalb konnte von diesen Verbindungen profitieren. Die große, für das Kloster geschaffene Kreuzigungsgruppe, die heute an der Innenwand der Schildmauer auf Schloss Eberstein zu finden ist, wurde 1464 höchstwahrscheinlich von derselben Werkstatt geschaffen wie das Gernsbacher Sakramentshaus. An beiden Plastiken findet sich ein Engel, der ein Federkleid trägt – ein ungewöhnliches, aus Burgund stammendes Motiv, das Nikolaus Gerhaert mit an den Oberrhein brachte. Und noch ein weiteres Kunstwerk in Gernsbach zeigt Bezüge zur Straßburger Kunstszene: das um 1470 geschaffene Glasfenster mit der Kreuzigungsgruppe in der Liebfrauenkirche. Ist Agnes auch hier als Mäzenin aufgetreten? Sie war keine arme Frau. Als Absicherung für ihre Mitgift wurde ihr Schloss Eberstein als Witwensitz zugesprochen. Dort deuten noch zwei Doppelwappen Eberstein-Vinstingen auf Bauten hin, von denen heute nichts mehr erhalten ist. Wann Agnes gestorben ist, wissen wir nicht. Auch ihr Grab ist unbekannt. Aber die Spuren, die sie hinterlassen hat, sind heute noch zu sehen.
[Cornelia Zorn]

Eine Gruft mit Geheimnissen
Die Grabkammer in der St.-Jakobskirche

Die Gruft unter dem Altar in der evangelischen St.-Jakobskirche in Gernsbach ist normalerweise nicht für die Öffentlichkeit zugänglich. Mit Pfarrer Mark Schöler durften am vergangenen Samstag aber einige Mitglieder des Arbeitskreises für Stadtgeschichte einmal in die Katakombe von St. Jakob hinuntersteigen.

Zuerst muss der schwere Abdeckstein über dem Einstieg vor dem Altar gehoben werden. Eine Eisenleiter und einige steinerne Stufen führen in einen engen, in der Mitte etwas über zwei Meter hohen Raum mit einem Tonnengewölbe. Vergebens sucht man im trüben Licht der Glühbirne eine Inschrift oder Jahreszahl, die genauere Auskunft über Entstehungszeit und Zweck der Gruft Auskunft geben könnte. Ein neuzeitlicher schlichter Steinsarg nimmt einen großen Teil des Raumes ein. Er enthält die menschlichen Überreste, die man im Zuge von Renovierungsarbeiten 1964 gefunden hat. Damals musste die Gruft geöffnet werden, um die Bodenplatten im Chorraum zu erneuern. Dabei entdeckte man Gebeine, verkohlte Sargreste, Eisenbeschläge und Nägel, alles wüst durcheinander. Die Funde wurden ins Anthropologische Institut der Universität Kiel gebracht. Die Untersuchung stellte fest: Es handelte sich um die Skelette von drei Erwachsenen und zwei bis drei Kindern, die irgendwann zwischen 1450 und 1650 gelebt haben müssen.

Die Gruft könnte eine Grablege der Grafen von Eberstein gewesen sein. Das nur wenige Schritte entfernte Grabmonument Wilhelms IV. (gestorben 1562) und seiner Frau Johanna von Hanau-Lichtenberg (gestorben 1572) an der Nordwand des Chores spricht dafür. Auch die Tatsache, dass nachweislich drei Kinder dieses Paares in St. Jakob ihre letzte Ruhestätte fanden, das jüngste unter ihnen ein Jahr alt. Wilhelm führte zusammen mit dem badischen Markgrafen 1556 die Reformation in der Grafschaft Eberstein ein und übergab die St.-Jakobskirche den Lutheranern. Die Vermutung liegt nahe, dass die Kirche fortan als Begräbnisplatz für die evangelischen Mitglieder des Grafenhauses dienen sollte.

Gebaut wurde die Gruft wahrscheinlich im Zuge des Kirchenneubaus 1467 bis 1471. Vorher hatten sich die Ebersteiner Jahrhunderte lang in dem von ihnen gestifteten Hauskloster Herrenalb beisetzen lassen. Allerdings war Herrenalb mittlerweile unter den Einfluss der Markgrafen von Baden geraten. 1457 fand die letzte bezeugte Beisetzung eines Mitglieds der Stifterfamilie dort statt. Die Ebersteiner mussten sich nach Ersatz umschauen. Dabei fiel ihr Blick auf das benachbarte Baden. Dort wurde 1453 die alte Pfarrkirche in der Residenz Baden zu einer neuen Begräbnisstätte für die markgräfliche Familie umgewandelt, da die Fürstenkapelle im Kloster Lichtental zu klein geworden war. Dieses Projekt war für die Ebersteiner sicher eine starke Anregung. Vielleicht nahmen sie mit diesem Vorbild vor Augen den Neubau der alten, schon 1219 bezeugten Kirche über der Hofstätte in Angriff und legten auch gleich eine Grabkammer mit an.

Bei den zahlreichen Plünderungen und Zerstörungen, die während des Dreißigjährigen Krieges zwischen 1642 und 1647 und später im Pfälzischen Erbfolgekrieg 1691 über die Stadt hinwegfegten, wurde die Totenruhe allerdings massiv gestört. Als man die Gruft in der St.-Jakobskirche 1824 das erste Mal öffnete, fand man die Gräber verwüstet und geplündert. Über den Einstieg hatten die unbekannten Vandalen das Grabdenkmal Wilhelms IV. und seiner Frau gewuchtet – allerdings verkehrt herum, mit der Schauseite nach unten. Vielleicht hat aber gerade diese Grabschändung das Denkmal des Gernsbacher Reformators vor weiterem Schaden bewahrt. 1842 wurde es unzerstört an dem Platz im Chor der St.-Jakobskirche aufgestellt, wo wir es heute noch bewundern können.
                                                                                                                                                                                  [Cornelia Zorn]

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Einstieg in die Gruft unter dem Altar der evangelischen St.-Jakobskirche in Gernsbach

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Das Innere der Gruft.

© Cornelia Renger-Zorn 1999-2016
letzte Aktualisierung: 18. April 2016

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